Waschen mit Kastanien – Nachhaltig und kostenlos

Letztes Jahr bin ich das erste Mal darauf gestoßen, dass Waschen mit Kastanien möglich ist. Musste ich natürlich ausprobieren. Und was soll ich sagen, hat super geklappt!

Warum man konventionelles Waschmittel meiden sollte, habe ich ausführlich in meinem ersten Artikel zu selbsthergestelltem Flüssigwaschmittel erläutert. Gewöhnliche Waschmittel schaden dir und deiner Umwelt.

Die Rosskastanie gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse

Nicht mit der Esskastanie zu verwechseln! Die Rosskastanie gehört biologisch zu den Seifenbaumgewächsen. Sie enthält somit Saponine, welche für die Waschfähigkeit verantwortlich sind. Sobald diese in Kontakt mit Wasser kommen wird’s schmierig seifig. Vielleicht kennen manche die Waschnüsse aus Indien und Nepal. Sie sind vor allem in Bioläden zu finden und unter Ökos weit verbreitet. Die Waschnuss enthält auch Saponine und funktioniert genauso, allerdings enthält die Rosskastanie sogar bis zu 10% mehr Saponine als die Waschnuss! Und sie wächst kostenlos vor unserer Haustür oder lediglich ein paar Kilometer entfernt. Wahnsinn oder?

Waschnüsse aus Indien achtsam konsumieren

Waschnüsse sind mittlerweile so bekannt und beliebt, dass man sie kaum noch als nachhaltige Alternative betrachten kann. Da die Nachfrage in westlichen Ländern stark angestiegen ist, kommt es im Herkunftsland zu Ausbeutung und es geht sogar soweit, dass Einheimische sich ihr Waschmittel kaum noch selbst leisten können. Der komplette Stopp vom Kaufen der Waschnüsse ist allerdings auch keine Lösung, da sich dies natürlich wirtschaftlich negativ auf das Land auswirken würde. Wie so oft herrscht hier kein Gleichgewicht mehr. Desweiteren ist der Transportweg von Indien natürlich auch nicht gerade ökologisch zu rechtfertigen. Vom ökologischen Standpunkt betrachtet ist Waschen mit Kastanien allerdings das nachhaltigste was du tun kannst.

Sammeln, sammeln, sammeln

Wie immer auf den letzten Drücker hatte ich also meine Mutter beauftragt welche für mich zu sammeln, da nicht unweit von ihr Kastanienbäume stehen und bei mir schon alle weggesammelt waren. Da ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht gerade um die Ecke wohnte, hat der Transport sich etwas gezogen und einige Kastanien hatten bereits Schimmel angesetzt. Die Kastanien fangen ziemlich schnell an zu modern, wenn man sie nicht großzügig auslegt und richtig durchtrocknen lässt. Am Ende war es so, dass ich ungefähr nur die Hälfte nutzen konnte. Besser als nix!


Waschen mit Kastanien:

Für die erste Wäsche könnt ihr die ganz frischen Kastanien verwenden. Viertelt und übergießt sie mit Wasser. Lasst das ganze einige Stunden oder am besten über Nacht stehen. Das Wasser trübt sich recht schnell weiß- gelblich. Gießt es ab und gebt die Flüssigkeit ins Waschmittelfach.

Tipp: Schneller geht es mit kochendem Wasser. Hierbei müsst ihr nur 15-30 Minuten warten bis ihr die Flüssigkeit verwenden könnt.

  • Menge: ca. 5 Kastanien (normaler Verschmutzungsgrad)

Mit wenig Aufwand einen Jahresvorrat anlegen

Um einen Jahresvorrat anzulegen müsst ihr sie jedoch richtig trocknen. Hier ist eine gute Küchenmaschine oder besser noch ein Hochleistungsmixer von Vorteil. Probiert es am besten mit einer kleinen Menge geviertelter Kastanien aus. Außerdem ist es einfacher sie zu zerkleinern, solange sie frisch sind, da sie dann noch weich sind. Alternativ könnt ihr die Kastanien auch in ein Handtuch wickeln und mit dem Hammer klein schlagen. Zerkleinert die Kastanien und verteilt sie gleichmäßig auf einem Backblech. Ihr könnt das ganze zum Trocknen an einen warmen sonnigen Ort stellen. Dies gestaltet sich möglicherweise etwas schwierig in unseren Breitengraden. Ihr könnt den ganzen Prozess beschleunigen, indem ihr das Blech 60 Minuten bei 50°C in den Backofen schiebt. Je nachdem wie klein eure Kastanien gemahlen sind variiert die Trockenzeit. Schaut am besten zwischendurch immer mal wieder nach, nicht dass eure ganze Ladung auf einmal schwarz ist.

Wenn das Ganze gut durchgetrocknet ist lasst die Kastanien komplett abkühlen. Nun könnt ihr sie in Vorratsbehälter abfüllen und das ganze Jahr verwenden.

Das Kastanienschrot ist genauso wie die frischen Kastanien zu verwenden.

Tipp: Für die einfachere und schnellere Variante könnt ihr das Kastanienschrot in ein Stoffbeutelchen geben, gut verschließen und mit in die Waschtrommel zur Wäsche legen.

  • Menge: 1-2 EL Kastanienschrot pro Waschgang

Weiße Wäsche

Für weiße Wäsche könnt ihr die Kastanien vorher schälen. Ich muss jedoch zugeben, dass das eine ganz schöne Drecksarbeit ist und die Finger danach im schlimmsten Fall bluten. Aber vielleicht habt ihr auch Glück und die Schale löst sich leicht. Das war bei einigen der Fall, vor allem wenn sie schon etwas getrocknet sind, löst sie sich einfacher.

Meine weiße Bettwäsche blieb jedoch auch mit ungeschälten Kastanien weiß. Andernfalls könnt ihr euch mein erstes Rezept für Flüssigwaschmittel anschauen.

Hartes Wasser und Weichspüler

Falls ihr sehr hartes Wasser habt und eure Wäsche ohne Weichspüler stehen kann, gibt es mehrere Dinge, die ihr als Weichspüler einsetzen könnt:

  • 1 Schuss Essig ins Weichspülerfach (keine Essigessenz! Und kein Fruchtessig, da dieser die Wäsche verfärben kann)
  • 1 TL Zitronensäure oder Zitrusschalen in ein Stoffsäckchen (wirkt gleichzeitig als Aufheller)
  • 1TL Waschsoda zum Waschmittel (hier ist kein Backsoda gemeint!)
  • 1-2 TL Natron in Wasser lösen und ins Waschmittelfach geben

Waschen mit Kastanien und nie wieder Geld für Waschmittel ausgeben

Das ganze klingt vielleicht erstmal nach ganz schön viel Aufwand, bedenkt jedoch, dass es eine einmalige Sache im Jahr ist und ihr kein Waschmittel mehr kaufen müsst. Da Waschmittel in manchen Haushalten einen großen Kostenanteil im Haushaltsplan einnimmt, könnt ihr hier einiges an Geld sparen.

Shampoo aus Kastanien

Ihr könnt das „Waschmittel“ aus der Rosskastanie genauso gut als Shampoo verwenden. Diese Methode habe ich noch nicht ausprobiert, werde dies aber schnellmöglichst nachholen und euch berichten! Habt ihr das schon ausprobiert?

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